22.11. Pokhara

Wohlbehalten sind wir gestern am frühen Nachmittag in Pokhara am schönen Phewa See gelandet.
Am letzten Abend in Jomsom hatten wir noch einen schönen und netten Abend mit unserer Nepalesischen Mannschaft. Natürlich die obligate Trinkgeld Übergabe, aber auch eine umfangreiche Tombola wurde veranstaltet, bei der viele nicht mehr gebrauchte Ausrüstungsgegenstände den Besitzer wechseln durften. Das ganze aufgelockert und gepaart mit kleinen Showeinlagen von Seite unserer Nepalesen, aber auch von Seiten von Birgit, die hier sehr schön die Rolle der Showmasterin übernahm.
Die letzten von uns saßen noch bis knapp vor Mitternacht, immerhin mussten die letzten Reste von dem mitgebrachten Zirben- und Heuschnaps eliminiert werden…
Eigentlich hätte unser Flug von Jomsom nach Pokhara schon um 0800 fliegen sollen, aber auf Grund des schlechten Wetters (Nebel) in Pokhara mussten wir bis 1100 warten, bis die erste Maschine in Pokhara starten konnte. Die Flüge mit der kleinen Twin Otter sind Sichtflüge, insofern ist gutes Flugwetter Voraussetzung. Der zweite Flug war dann unsriger. Interessant ist es zu beobachten, wie schnell das alles von statten geht, sowohl in Lukla wie auch hier in Jomsom: die Maschine landet, bleibt stehen, im Nuh sind alle Passagiere sowie deren Gepäck entladen, die neuen Passagiere drinnen und die Maschine startet schon wieder. Kaum 5 Minuten steht die Maschine am Boden! Nepalesische Effizienz, wenn es um Zeit und Geld geht 😀
Hier in Pokhara ist es angenehm warm, um die 20 Grad… also gerade so, dass ein T-Shirt angenehm ist. Temperaturen, von denen wir in den letzten Wochen nicht einmal zu träumen wagten.
Trotz der sehr tiefen Temperaturen, die wir heuer im Himalaya erleben durften, hatten wir eine sehr erfolgreiche Tour! Ich selbst habe Nepal nur selten so kalt erlebt. Und auf Grund der großen Kälte war unsere Tour auch entsprechend anspruchsvoll! Schon in normalen Jahren zehrt die große Höhe von teils über 5000 Meter, gepaart mit den täglichen Anstrengungen der verschiedenen Etappen an Körper und auch Seele. Ständige Motivation ist hier gefragt. Wenn nun die Temperaturn nochmals um 5 oder mehr Grad tiefer als normal sind, ist der Körper nochmals mehr belastet, und der Kopf muss entsprechende Mehrarbeit leisten, da man ab und an nur mehr mit reiner Willenskraft weiter kommt. Oder sich in der Früh vor Sonnenaufgang aus dem Zelt schält… um dann in der Kälte zu Frühstücken und hoffen, dass die Sonne pünktlich zu den ersten Schritten der Tagesetappe erscheint und die erhofften wärmenden Strahlen schickt.
Natürlich haben uns die grandiosen Landschaften weitergeholfen! Und die Gewissheit, dass uns nach dem nächsten Pass, nach dem nächsten Bergrücken wiederum eine neue, mindestens genauso gewaltige Landschaft erwartet. Und die Landschaften waren grandios! Nar, Phu, der Kang La Pass mit einem Panoramablick auf die gesamte Annapurna Kette, aber auch in den Norden zum Damodar Himal…
Der Tilicho See, umgeben von vergletscherten Eisriesen, die teils über 7000 Meter und bis 8091 Meter in den Himmel ragen.
Man fühlt sich klein inmitten dieser grandiosen, riesigen Berglandschaft! Und ist selbst auch riesig stolz, das erleben zu dürfen und erleben zu können, da man sich hier im Himalaya jeden Schritt und jeden Ausblick selbst erarbeiten muss…
Und natürlich nicht zu vergessen unsere Grenzerfahrung am Chulu Far East, den wir bis auf die letzen 200 Meter bestiegen haben und wo wir auf Grund des extrem starken Windes an unsere Grenzen geraten sind… eine hochalpine Erfahrung der Sonderklasse, die vielen noch lange im Gedächtnis bleiben wird!
Natürlich war auch der kulturelle Aspekt bei dieser Reise ein wichtiger Punkt. Wir konnten in Nar und Phu eine Region und kleine Dörfer besichtigen, die nach wie vor ursprünglich sind, erst seit wenigen Jahren dem Tourismus geöffnet. Lebenszustände wie vor Hunderten von Jahren… unvorstellbar und „wahnsinnig“ wie es Roland wohl ausdrücken würde 😀… wirklich eine Tour nach Nepal wert.
Und ein weiterer sehr schöner Aspekt unserer Tour: wir waren auf weiter Flur sehr einsam unterwegs! Heuer wurden Teile Nepals, zum Beispiel die Everest Region, regelrecht überrannt. Mit so vielen Trekkingtouristen konnten wir nicht rechnen! Aber auf unserer, alternativen Annapurna Umrundung waren wir sehr einsam unterwegs! Lediglich 2 Tage um und nach Manang haben uns gezeigt, wie es in Nepal auch sein kann… wir haben diese Einsamkeit in den Bergen zu schätzen gewusst und dies hat uns auch nochmals motiviert, die angepeilte Route über den Tilicho See zu gehen!
Ein letzter Aspekt der heurigen Saison, mit der wir heuer in ganz Nepal konfrontiert waren: auf Grund der großen Kälte hatten wir viel mit Husten und Erkältungen und weiteren damit zusammenhängenden Erkrankungen zu kämpfen!
Ich denke alle von uns haben gehustet bzw. Husten immer noch… ich selbst bin ja schon angeschlagen angereist und wurde im Laufe der Tour nie mehr gesund, mal ging es besser, mal wieder schlechter… aber auch die restliche Gruppe wurde nicht verschont. Ein sehr wichtiger Aspekt der heurigen Saison in Nepal!! Und mit dem der Großteil unserer Gruppen konfrontiert wurde und der aber eben auch viele Touren erheblich anspruchsvoller gestaltet hat, als üblich…
Bei so einem Wetter spielt natürlich die mitgebrachte Ausrüstung eine wichtige Rolle! Ich selbst war nur mit meiner üblichen Ausrüstung unterwegs und hätte in unserem Basislager in Innsbruck wohl noch einige wärmere Sachen gehabt… aber die Ausrüstung war gut und zuverlässig, danke an Sherpa Adventure Gear, dessen Bergbekleidung ich seit vielen Jahren schon schätzen weiß!
Danke auch an die Firma Wrightsocks, die mich im Herbst mit ein paar Testsocken ausgestattet hat, die ich auf meinen zukünftigen Touren nicht mehr missen möchte!
Der Kaffee von Unbound hat uns ein paar schöne Stunden beschert, nach langen Etappen und auch nach kalten, ebenfalls langen Nächten… Und die bewährte MorgenStund‘ von P. Jentschura gab uns wie immer genügend Kraft für die fordernden Aufstiege.
Die Sonnenbrillen von Gloryfy Unbreakable aus Österreich haben den Himalaya-Test mehr als bestanden. Auch Pasang hat sich in seine neue Brille verliebt und hat sie selbst am Abend nicht mehr vom Kopf genommen.
Auch unsere Rucksäcke von Gregory haben sich wieder bewährt. Schön zu sehen, dass diesmal auch ein paar Teilnehmer mit den tollen Rucksäcken unterwegs waren…
Nun, genug geschrieben!
Heute Abend verbringen wir unseren letzten gemeinsamen Abend. Die Gruppe fliegt morgen in der Früh nach Kathmandu, ich selbst bleibe noch ein paar Tage in Pokhara bzw. in der südlichen Annapurna Region… und werde wohl noch ein paar kleinere Erkundungen machen.
Vielen Dank für die vielen Kommentare im Laufe der Tour, die ich immer wieder mal vorgelesen habe. Es war für uns schön zu sehen, dass mit uns mitgefiebert wurde! Und dank des Spot Gen3 konnte ja unsere Tour nahezu Schritt für Schritt in Echtzeit verfolgt werden.
Herzlichen Dank an alle Leser und hoffentlich bis bald!

21.11. Pokhara

Hannes und seine Gruppe ist heute Vormittag zwar mit etwas Verzögerung aber trotzdem gut in Pokhara gelandet.

Bei angenehmen 20 Grad und mit T-Shirt genießen Sie ein paar freie Stunden in der gemütlichen zweitgrößten Stadt Nepals und erholen sich von den Strapazen der Tour. Auch morgen ist noch ein Rasttag geplant, bevor es übermorgen für die Kunden zurück nach Kathmandu und anschließend in Richtung Heimat geht.

Hannes wird sich sicherlich noch mit seinem Abschlussbericht aus Pokhara melden.

 

20.11. Jomsom

Wir haben unsere Tour wohlbehalten in Jomsom beendet!
Da vorgestern der Akku von meinem Ipad auf Grund der großen Kälte in unserem Zeltlager am Tilicho See eingegangen ist, konnte ich gestern nichts schreiben…
Gestern hatten wir eine der längsten, aber auch beeindruckendsten Etappen unserer Tour, vom Tilicho Khola Camp über den 5350 Meter hohen Eastern Pass und den 5250 Meter hohen Mesokhanto La bis nach Yak Karkha, wo wir unser letztes, kaltes Lager aufgebaut haben.

Stimmungen am Tilicho See

Leider war das Wetter nicht ganz so gut wie erhofft. Über der Tilicho Wand lag eine immens große Föhn Walze, dadurch auch einiges an Wind, aber die Licht und Wolkenstimmungen waren grandios und haben dieser ungalublich beeindruckenden Umgebung, dominiert durch die Eiswände des Tilicho und dem dunkelblauen Tilicho See die richtige Dimension verliehen!

Wolkenstimmung, Föhnrolle

Wir waren 8 Stunden unterwegs, eine richtig gute Zeit, vor allem wenn man berücksichtigt, dass wir alle schon ziemlich fertig von der langen und Kräfte raubenden Tour waren.

Am Eastern Pass

Die 2 Passanstiege, wenn auch eher kurz, hatten es doch in sich. Auch der lange, sehr steile Abstieg vom Mesokantho La war eine letzte Herausforderung, für uns aber natürlich auch für unsere treue Mannschaft, die wir im Laufe der letzten 2,5 Wochen richtig zu schätzen gelernt haben.

Gruppe am Eastern Pass

Immer guter Laune, immer freundlich und zu Scherzen oder Späßen aufgelegt, trotz der harten Arbeit und der ebenfalls kalten Bedingungen! Ohne unsere Trägermannschaft wäre diese Tour jedenfalls nicht zu schaffen gewesen, das ist uns allen klar. Heute Abend, in Jomsom, werden sie sich unseres Dankes gewiss sein!

Gruppe am Mesokhanto

Nach guten 8 Stunden waren wir in Yak Karkha, auf ca. 4200 Meter. Ein letztes Zeltlager, schnell aufgebaut, ein letztes köstliches Dal Bhaat… am Abend hat es aufgeklart bzw. war die Nacht wolkenlos und somit wiederum klirrend kalt.

Blick zum Tilicho See vom Mesokantho aus

Dafür hatten wir heute, bei unserer letzten Etappe runter nach Jomsom, wieder bestes Wetter. Ein unglaublicher Sonnenaufgang auf den 8167 Meter hohen Daulagiri sowie der gesamten Bergkette westlich des Kali Gandaki Tales…

Sonnenaufgang am Dhaulagiri

Tolle Blicke, die uns heute wieder begleitet haben und die uns den Abschied von der nepalesischen Bergwelt wohl nicht ganz einfach gemacht haben.

Noch ein Blick zum Tilicho See vom Mesokantho

Dhaulagiri

Andererseits sind wir alle froh, diese sehr anspruchsvolle Tour gut und gesund beendet zu haben.
Heute Abend werden wir uns von unserer treuen Mannschaft verabschieden. Alle sind uns sehr ans Herzen gewachsen, mit ihrer großen Motivation,  Ausdauer und Kraft – und das alles gepaart mit viel Humor und Zuvorkommen!
Wir selbst fliegen morgen in der Früh nach Pokhara, wo wir 1-2 Tage rasten werden, bevor es nach Kathmandu und von dort retour nach Hause geht.
Ich melde mich morgen nochmals aus Pokhara mit einem abschließendem Bericht von dieser grandiosen Trekkingtour!

Der Autor mit seiner Gloryfy Brille

19.11. Yak Kharka

Hannes meldet sich aus dem letzten Zeltlager per Satellitentelefon:

„Es war heute eine lange und wiederum anspruchsvolle Etappe über die zwei Pässe, aber wir sind alle gut drüber gekommen. Das Wetter war mäßig, recht viele Wolken, dafür hatten wir tolle Stimmungen entlang des Sees und über den mächtigen Eiswänden.

Jetzt haben wir in Yak Kharka auf 4200m unser letztes Zeltlager aufgeschlagen. Morgen erwartet uns nur eine kurze Etappe hinunter nach Jomsom und übermorgen geht es mit dem Flugzeug nach Pokhara.

Wir freuen uns alle auf die Zivilisation und vor allem auf wärmere Temperaturen. Die langen Etappen und vor allem die unerwartet große Kälte der letzten Wochen hat sehr an uns gezehrt.

Viele Grüße an alle Zuhause, Hannes.“

 

18.11. Tilicho Lake Camp

Abschließender Höhepunkt unserer Tour am Tilicho See, am Fusse der beeindruckenden Tilicho Wand.
Wir sind heute wieder ziemlich gemütlich gestartet, kurz nach 0815, als die Sonne schon unseren Weg beschienen hat. Ein langer Aufstieg führte uns vom Tilicho Basislager bis zum Tilicho See quer über lange Schotterreissen. Fast 900 Höhenmeter mussten wir heute aufsteigen, bis auf knapp 5000 Meter. Am Rand einer großen Moräne angekommen konnten wir endlich den blauen Tilicho unter uns erblicken.

Am Tillicho Lake

Der See, auf über 4900 Meter gelegen, ist anscheinend der höchste und größte See der Welt auf dieser Höhe. Über 4 Km lang und bis zu 1,6 km breit. Das südliche Ufer, also die Abhänge der Tilicho Wand, dessen höchster Punkt 7100 Meter erreicht, ist gänzlich vergletschert. Ein wahrlich beeindruckender Blick, zumal die senkrechte Tilicho Wand über 2000 Meter senkrecht in die Höhe steigt und über und über mit Seracs und Hängegletschern bedeckt ist…

Beeindruckende Tillicho Wand

Wir lagern nun am nördlichen Ufer, naja, nicht wirklich am Ufer, da wir einen windgeschützen Platz gesucht haben. Am Nachmittag hat sich der Wind zum Glück gelegt und es scheint, als ob von Westen klarer Himmel zu uns kommen würde. Ich hoffe, dass wir morgen sehr gutes, wenn auch kaltes Wetter haben werden, um auf der morgigen Etappe, im Zuge der wir den See umrunden werden, nochmals tolle Blicke haben werden.

Lagerplatz

Morgen erwartet uns eine der längsten Etappen unserer Tour. Wir werden sowohl den 5200 Meter hohen Eastern Pass wie auch den 5150 Meter hohen südlichen Mesokanto La überqueren, vordem es runter in Richtung Jomsom geht, wo wir übermorgen ankommen möchten.

Tillicho Wand mit Hängegletscher

Uns geht es den Umständen entsprechend… Die große Kälte der letzten Tage, die langen Etappen und die vielen Anstrengungen haben Spuren hinterlassen. Viele von uns sind müde bzw. regelrecht erschöpft, ich denke wir freuen uns alle auf das baldige Ende der Tour. Zum Glück ist die Landschaft umwerfend beeindruckend und motiviert uns, weiter zu wandern und die Tour gut zu beenden.
Ich bin jedenfalls guter Dinge, dass wir auch morgen und übermorgen gut hinter uns bringen. Wir freuen uns auf Jomsom und vor allem auf Pokhara, wo uns wärmere Temperaturen erwarten…

17.11. Tilicho Basislager

Nachdem heute morgen leider 2 unserer Teilnehmer wegen zu starker Erkältung die Tour abbrechen mussten und per Geländewagen von Manang nach Besi Sahar abgefahren sind, ist die restliche, etwas verkleinerte Gruppe weiter, von Manang in Richtung Tilicho See gewandert.
Rasch haben wir Manang und das Haupttal hinter uns gelassen, sind über die kleine Ortschaft Kangshar bis zum sogenannten Tilicho Basislager auf 4150 Meter gewandert.

Beim Aufstieg

Eine sehr schöne Wanderung, mit tollen Erdformationen, Erosionsformen und tollen Blicken sowohl auf die näher rückende Tilicho Wand, wie auch auf das Manaslu Massiv in unserem Rücken und natürlich der westlichen Hälfte des langen Annapurna Massiv…

Blick auf die Manaslu Kette

Heute Abend sind wir in einer quasi ausgebuchten Lodge, es gibt hier nur 3 davon. Hier ist im vergleich zu unserer bisherigen Tour sehr viel los! Viele Trekker wandern hierher um dann in einem Tagesabstecher rauf zum schönen Tilicho See zu steigen, vordem sie am selben weg wieder retour nach Manang bzw. Eventuell über den Thorong La nach Muktinath trekken.

Auf dem Weg zum Tillicho Basislager

Wir selbst werden am Tilicho See entlang in Richtung Jomsom wandern, was 2 Zeltnächte beinhaltet. Ich denke ab Morgen nachmittag werden wir wieder ganz alleine unterwegs sein und die vielen Trekker hinterr uns lassen… vielleicht haben wir sogar glück und es bleibt weiterhin eher windstill.
Hier noch ein paar Bilder von Manang:

Bei Julu am Abend

Die Gompa von Brach knapp vor Manang

16.11. Manang

Wir sind nun alle wohlbehalten in Manang am Ende des zweiten Abschnittes unserer Tour angekommen. Aber am besten erzähle ich von Anfang an, da ich die letzten Tage nicht dazu gekommen bin, den Blog zu schreiben…
Vorgestern, am 14.11. sind wir nach einer sehr kalten Nacht im Chulu Basislager aufgewacht, leider war der erhoffte Sonnenschein lediglich von kurzer Dauer und die Temperaturen war eher tief…
Gleich nach dem Frühstück sind Uschi, Hermann, Priska und Georg vom Basislager nach Manang abgestiegen. Die Temperaturen waren so niedrig, dass sie sich nicht über eine Nacht im Hochlager hinaussahen… und auch der Gipfelgang am Chulu war für sie kein Anreiz bei den derzeitigen Wetter und Temperaturebedingungen…

Frühstück im Basislager

Wir haben im Basislager noch eine Einschulung in die Kunst des Fixseilbegehens absolviert. Mit Jumard bzw. Steigklemme aufsteigen, Selbstsicherung und natürlich auch abseilen…
Anschließend haben wir unsere Ausrüstung gepackt und sind im Nebel und bei Kälte in unser Hochlager auf ca. 5300 Meter aufgestiegen. Leider hatten wir weder vom Basislag, noch während des Aufstieges und auch im Hochlager keinerlei Blicke auf unser Ziel, den Chulu Far East.

Hochlager im Nebel

Im Hochlager angekommen haben wir unsere Schlafzelte aufgebaut. Bald wurde aus dem Nebelgraupel regelrechter Schneefall und bis zum Abend hatten wir ein paar Zentimeter Neuschnee. Aber der Wetterbericht sagte für den kommenden Tag, gestern, wiederum wolkenloses Wetter an.
Wolkenlos, aber sehr windig…
Im Hochlager wurden wir von unserer Küchenmannschaft wiederum hervorragend verpflegt. Wie sieht so ein Hochlager aus? Selbstverständlich hatten wir unsere Schlafzelte und auch das kleine Küchenzelt mit dabei. Wie in Nepal üblich waren die weitere Campingausrüstung, wie z.B. das Esszelt, die Tische und Stühle im Basislager geblieben, wir wurden also in unseren Schlafzelten verpflegt. Was gibt es Schöneres, als im Schlafsack zu liegen und einen köstlichen Dal Bhat ins Zelt serviert zu bekommen…
Nach einer, zumindest für mich erstaunlich feinen Nacht im Hochlager, wurden wir um 0400 geweckt. Rasch gab es eine Tasse Tee und ein stärkendes Frühstück, vor dem wir um 0515, noch im Schein unserer Stirnlampen in Richtung Chulu Far East aufgestiegen sind.

Sonnenaufgang während dem Aufstieg zum Sattel

Vom Hochlager aus geht es eine steile Schotterrinne aufwärts, bis zu einem kleinen Sattel auf ca. 5600 Meter. Hier, am Rande des Gletschers haben wir unsere Steigeisen, Gurte usw. angezogen und sind in 3 kleinen Teams an den schon verlegten Fixseilen aufgestiegen.

Sonnenaufgang auf der Annapurna 2

Leider wurden wir schon am Sattel, den wir gegen 0700 erreicht hatten, von starkem bis sehr starken Wind bzw. Windböen erwartet. Leider hatte der Wetterbericht aus unserem Büro in Innsbruck zu 100% recht behalten: zwar wolkenloses Wetter aber sehr starker Wind.
Je weiter wir aufstiegen und mit fast jeder Minute nahmen die Windböen zu. Wir kamen zwar schnell voran, ich hatte Sylvia, Birgit und Roland in meiner Seilschaft, aber dennoch verschlechterte sich das Wetter zunehmend. Immer wieder mussten wir stehenbleiben, uns kauernd gegen den Wind stemmen… Das Gelände am Chulu Far East ist interessant: 4 steile Hänge, die zu bewältigen sind, immer wieder erstaunlich große und tiefe Gletscherspalten… schönes, steiles und kupiertes Gelände.

Roland am Chulu Far East

Gegen 0900, als wir nur mehr ca. 200 Höhenmeter unter dem Gipfel waren, war der Wind bereits so stark, das wir regelmäßig, bei jeder einzelnen Böe, stehenbleiben und Schutz suchen mussten. Obwohl wir niederkauerten und uns gegen den Wind stemmten, wurden wir teilweise um einen halben Meter oder mehr versetzt… und das in ca. 40 Grad steilem Gelände… als dann noch der Wind waagrecht faustgroße Schnee und Eisklumpen um unsere Ohren wehte, war die Entscheidung die Besteigung trotz den nahen Gipfels abzubrechen, nur mehr eine Formsache…
Zu diesem Zeitpunkt schätze ich die Windböen auf über 90 KmH Windgeschwindigkeit…

Am Chulu Far East zwischen zwei Windböen

Wir hatten ja noch den ganzen Abstieg vor uns und mussten zu zehnt an einem Fixseil abseilen… was bei diesen Wetterbedingungen ebenfalls eine eigene Erfahrung war und uns einiges an Nerven und Ausdauer abverlangte.
Aber zum Glück waren wir dann gegen 1000 wieder alle sicher und wohlauf am Sattel…
Bei weiterhin wolkenlosem Himmel mussten wir leider wieder absteigen und waren gegen 1115 in unserem, mittlerweile schon abgebautem Hochlager.

Wohlbehalten zurück am Sattel

Nun ja, wie man sieht, und wie allen erfahrenen Alpinisten und Himalaya Bergsteigern bewusst sein wird: wolkenloser Himmel ist nicht immer eine Gipfelgarantie und trotz blauem Himmel kann der starke Wind einem einen Strich durch die Rechnung machen.
Sicherheit geht jedenfalls vor und selbst wenn wir gerne am Gipfel gestanden wären waren, sind doch alle stolz auf das Erreichte und auf die Erfahrung, im Himalaya bei widrigen Verhältnissen einen hohen Berg zu begehen…
Nach einen schnellen Abstieg ins Basislager und einem raschen Mittagessen sind wir gestern noch weiter abgestiegen, bis nach Julu auf ca. 3600 Meter, wo wir in einem schönen Förenwald unser Zeltlager aufgebaut haben.
Heute hatten wir dann nur mehr eine kurze Etappe von ca. 2,5 Stunden nach Manang. Wir sind für die Nacht in einer schönen und gemütlichen Lodge einquartiert. Haben geduscht und sitzen bei Kaffee und Kuchen in einer der vielen Bakerys, die es hier gibt.
Morgen geht es auf den dritten und letzten Abschnitt unserer Tour. Wir werden von Manang in Richtung Tilicho See aufsteigen… es bleibt weiterrhin schön und wir hoffen auf wolkenlosen Himmel, selbst wenn die Temperaturen weiterhin niedrig und die Windgeschwindigkeiten etwas hoch bleiben werden. Aber der Tilicho See ist sicherlich ein weiterer Höhepunkt unserer Tour…