Hannes meldet sich aus dem Basislager mit seinem Bericht von gestern und aktuellen Informationen…
Leider ein erster, gescheiterter Gipfelgang für mich auf der Ama Dablam.
Am Freitag, 04.11. bin ich mit Tobias zeitig nach dem Frühstück in Richtung Lager 1 auf 5850 Meter gestartet.
Der Weg führt über einem Moränenrücken erst nach Osten, dann in einem weiten Bogen nach Norden auf die Ostseite des Südwest-Grates, der sich vom Gipfel der Ama Dablam herunterzieht.
Gute 1300 Höhenmeter über einiges an Distanz, von unserem Basislager bis ins Lager 1. Natürlich mit vollem Gepäck, sprich Zelt, Kocher, Kletterausrüstung usw…
Schon vor dem vorgeschobenen Basislager, welches von ein paar Gruppen zur Erstakklimatisierung genützt wird, dreht Tobias um, weil seine Lunge nicht mitspielt, er bekommt keine Luft…
Ich gehe weiter, mit Zelt und Schlafsack und möchte mir das Ganze aus der Nähe anschauen…
Aufstieg zum Lager 1
Oberhalb des ABC – vorgeschobenen Basislagers – erwartet mich grobes aber einfaches Blockgelände. Abwechslungsreich zu gehen. Knapp unterhalb des Lager 1, also ca. die letzten 100 Höhenmeter dann geneigtes Plattengelände. Wäre der Rede nicht Wert, wäre da nicht die Höhe, die schon erledigte Distanz und natürlich der etwas schwere Rucksack, der seit ein paar Stunden auf die Schultern drückt.
Jedenfalls handelt es sich hier um leichte, abwechslungsreiche Plattenkletterei, endlich mal ein erster Vorgeschmack.
Um ca. 14 Uhr stehe ich im Lager 1 auf 5850 Meter.
Das Lager 1 ist in den Felsen gebaut, am Grat oberhalb eines großen Felskessels, der nach Osten zeigt.
Einzelne kleine Steinplattformen, auf denen Zelte stehen, sehr kühn und ausgesetzt.
Ich suche einen Zeltplatz, bzw. bald suche ich nur mehr ein freies Zelt, da kein freier Zeltplatz zur Verfügung steht. Bald finde ich ein freies Zelt, das von einem der vielen Veranstalter aufgebaut wurde, diese Nacht aber frei steht.

Abendstimmung Ama Dablam vom Lager 1
Nun folgt die Lagerarbeit: Schnee holen, Schnee schmelzen und Tee und Suppe kochen. Die Arbeit fällt heute leicht von der Hand, das Wetter ist perfekt, winstille, Sonne!! Der gemütlichste Nachmittag in den gesamten letzten 4 Wochen in Nepal!! Unterhalb von mir der obligate Nebel, der alles bedeckt…
Um 1800 Uhr geht die Sonne unter und es wird dementsprechend schlagartig kalt. Da es hier ansonsten nichts weiter zu tun gibt, lege ich mich rasch ins Zelt und in meinen Schlafsack. Ich sortiere ein letztes Mal meine Ausrüstung und bereite mich auf eine lange Nacht vor.
Leider verspricht die Nacht wirklich sehr lang zu werden!
Der leichte Durchfall, der mich seit der Früh begleitet, macht sich bald stark bemerkbar und ich muss immer wieder aus dem Zelt raus!
Nach 4 oder 5 mal “Sterne beobachten” höre ich auf zu zählen…
An schlafen ist nicht wirklich zu denken, ich versuche zeitweise zu dösen… Es ist der Höhe entsprechend kalt. Das Aufstehen und kurz anziehen ist jedes Mal eine Überwindung, muss aber sein…
Um 0200 dann der erste Funkspruch mit Markus, der für heute seine Solo-Speedbegehung angesetzt hat.
Ich gebe ihm durch, dass das Wetter perfekt ist, windstille…
Um 0430 befindet sich Markus unterhalb der Platten, die zu Lager 1 führen. Ich steig aus meinem Zelt und leuchte kurz mit der Stirnlampe hinunter, er kurz rauf…
Um 0500 ist Markus schlußendlich bei mir. Er macht kurz Pause, geht aber schnell weiter.
Ich selbst beschließe, mich ebenfalls fertig zu machen und, selbst wenn ich mich nicht nach Gipfelgang fühle, zumindest ein paar Stunden in Richtung Gipfel zu gehen.
Um 0600 bin ich dann fertig angezogen, mit warmen Wasser in meiner Flasche, Klettergurt angezogen (nun darf nichts mehr passieren
) und verlasse Lager 1 in Richtung Lager 2.
Gleich hinter Lager 1 fangen die Fixseile an.
Der ganze Berg ist mit Fixseilen versichert, damit die vielen Gipfelaspiranten einen sicheren und leichten Aufstieg haben.
Der Weg führt über steile, abschüssige und teils sehr ausgesetzte Platten.
Immer wieder befindet man sich direkt am Süd-West Grat, dann pfeift es ein paar Hundert (oder auch Tausend) Höhenmeter links und rechts runter!
Sehr beeindruckend!!
Nach ca. 1,5 Stunden erreiche ich den berühmten Yellow Tower, der letzten Gendarmen am waagrechten Grat, vor dem der wirkliche Gipfelaufschwung anfängt.
Eine der Schlüsselstellen der gesamten Besteigung, ein ca. 25 Meter hoher Felsturm, stellenweise senkrecht, den es zu überwinden gilt.
Eine kurze Rast und los gehts, auf den Fixseilen. Das Klettern fällt mir leicht und bald bin ich, allerdings ausser Atem, am Gipfel des gelben Turms. Verschnaufpause. Dann geht es um die Ecke, ein paar Meter rauf, und schon stehe ich am Lager 2, welches am Gipfel des gelben Turmes aufgebaut ist.
Hier hat es gerade Mal Platz für 4-5 Zelte. Alle Plätze sind besetzt, insofern gut, dass ich gestern, gezwungener Maßen, in Lager 1 geblieben bin anstatt wie ursprünglich mit Tobias geplant, bis ins Lager 2 aufzusteigen…
Leider bin ich mittlerweile gänzlich ausgepowert! Die schlaflose Nacht, der Durchfall, die fehlende Motivation da ich alleine bin… Ein Funkspruch von Markus, der sich mittlerweile schon oberhalb von Lager 3 befindet…

Grey Tower
Ein paar Schritte gehe ich noch weiter, bis zum sog. Grey Tower, der nächsten Schlusselstelle. Hier befinden sich 8-9 Kletterer vor mir, die sich in einem wahrlichen Schneeckentempo Zentimeter für Zentimeter in die Höhe schrauben.
Der Stau, meine Müdigkeit, der rumorende Magen, der Gipfel erscheint mir in diesem Lichte heute realistischerweise nicht erreichbar und ich beschließe umzudrehen.
Am gelben Turm sitze ich noch ein paar Minuten in der Sonne und beobachte die anderen Kletterer, die im Stau stehen. Einzigartige Szenen…
Bald steige ich weiter ab, es handelt sich hier um abklettern, bzw. abseilen. Am Gipfel des gelben Turmes warte ich gemessene 45 Minuten, bis sich eine Seilschaft Nepali endlich über die steilen Felsen gehieft hat und die Seile frei gibt, damit ich endlich abseilen kann. Das restliche Abseilen geht verhältnissmässig schnell und um 1130 bin ich wieder im Lager 1.
Ich bin froh umgedreht zu haben, denn somit konnte ich bis hier her noch mit einigermaßen Kraft kommen, ich merke aber, wie geschafft mein Körper ist.
Ich packe meine Ausrüstung, Schlafsack und Matte und steige ab in Richtung Basislager.
Übrigens, um 0922 kommt der Funkspruch von Markus, der nach nur ca. 7 Stunden und ein paar Minuten den Gipfel erreicht hat, vom Basislager Mingbo aus!! Gratulation!!
Ich steige ab. Unterhalb des ABC treffe ich dann auf Tobias, der mit einem Norweger zusammen einen neuen Versuch startet. Seine Lungenprobleme sind scheinbar verschwunden und ihm geht es gut…
Tobias steigt heute noch bis ins Lager 1 auf, dass er gegen 16 Uhr erreicht, da bin ich schon längst wieder im Basislager.
Markus trifft so gegen 1500 in unserem Basislager ein.
Heute, Sonntag 06.11. geht es mir wieder einigermaßen gut, der Durchfall scheint halbwegs abgeklungen.
Vielleicht versuche ich morgen nochmals einen Aufstieg und in den nächsten gesamten 3 Tagen einen weiteren, letzten Gipfelversuch. Das große Problem: Tobias ist schon unterwegs in Richtung lager 3 bei anscheinend sehr guten Wetterverhältnissen und somit für mich nicht mehr erreichbar… Es feht mir also an einem Bergpartner. Mal sehen, was sich heute noch ergibt.
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